Heute haben wir das Konzentrationslager Auschwitz I (“Stammlager”) besucht. Insgesamt gab es um die Stadt Oswiecim, die von den Deutschen in Auschwitz umbenannt wurde, noch das Vernichtungslager Birkenau, genauso wie ein drittes Konzentrationslager in der Nähe des IG-Farben Werkes. Ausgewählt wurde Oswiecim, weil es ein Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt darstellte.
Um 9:30 Uhr begann unsere 3 Stündige Tour durch das KZ Auschwitz I. Das Lager besteht aus 28 rekonsturierten Blocks, außerhalb des Geländes befindet sich das Krematorium und die erste provisorische Gaskammer. Innerhalb der Blöcke sind heute spezifische Ausstellungen zu finden. Wir besuchten innerhalb der Führung unter anderem die Todeswand und den Todesblock Nr.11, eine Ausstellung über die Aufnahmeprozedur im Lager, ebenso wie ein Block, in dem die Beweismittel für den Massenmord im KZ – Schuhe, Brillengläser und anderes gesammelt werden.
Am Nachmittag nahmen wir an einer Führung durch die Stadt Oswiecim teil. Die Führung legte einen Focus auf das jüdische Leben innerhalb der Kleinstadt. Zu Hochzeiten waren 50% der Bevölkerung Oswiecims Juden, heute lebt bis auf eine rumänische Frau, die nach Oswiecim gezogen ist, kein Jude und keine Jüdin mehr in dem Ort. Thema der Führung war unter ebenfalls das Verhältnis zwischen jüdischer und nicht-jüdischer Bevölkerung – dieses soll angeblich von einem Miteinander geprägt gewesen sein, auch wenn es immer wieder antisemitische Vorfälle gab, aber keine Progrome. Während der deutschen Besatzung wurden die meisten Juden aus Oswiecim zu erst in das Ghetto nach Theresienstadt und später nach Auschwitz-Birkenau deportiert.
Auch mit der Stadt Oswiecim selbst hatten die Nazis ganz eigene Pläne: sie sollte eine “deutsche Musterstadt” werden. Dafür nahm sie unter anderem an einigen Gebäuden Veränderungen vor. Mitten auf dem Marktplatz wurde ein ober- und unterirdischer Bunker gebaut. Dieser wurde nach Ende des 2. Weltkrieges in ein größeres Gebäude integriert, denn eine Sprengung war wegen der starken Untertunnelung des Marktplatzes damals nicht ohne Auswirkungen auf diesen möglich. Darüber hinaus kamen durch den Aufbau des Konzentrationslager auch gezielt SS-Soldaten mitsamt ihren Familien angesiedelt.
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Die Chewra Lombe Misznajot Synagoge in Oswiecim, Foto: Wikipedia, slav
Auf der Führung besuchten wir unter anderem darüberhinaus die Chewra Lomde Misznajot-Synagoge und das damit verbundene “Auschwitz Jewish Center”. In der dortigen Ausstellungen sahen wir einen kurzen Film über das Leben der Juden in Oswiecim vor 1939, die Synagoge wird heute meist nur noch von israelischen Delegationen genutzt. Das Jewish Center soll dem in Oswiecim präsenten Bild der Judenvernichtung das des jüdischen Lebens hinzufügen.
Morgen werden wir das Vernichtungslager Birkenau besuchen und danach den Überlebenden Wilhelm Brasse treffen, der Lagerfotograf in Auschwitz war, und unter andere gezwungen wurde, die Menschenexperimente des SS-Arztes Mengele zu dokumentieren. Am Donnerstag werden wir zurück nach Berlin-Lichtenberg fahren.

Fördermittelhinweis: Dieses Projekt wird im Rahmen des Aktionsprogramms für mehr Jugendbeteiligung aus Mitteln des Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert. Das Aktionsprogramm fördert gesellschaftspolitisches Engagement von Kindern und Jugendlichen. Es ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Bundesjugendrings.

Als Vorbereitung für einen Auschwitz-Besuch mag ich jedem dieses Buch ans Herz legen:
http://www.lass-uns-ueber-auschwitz-sprechen.de/index.html