Im Rahmen unseres Schwerpunktthemas “Wem gehört die Welt?” läuft gerade eine Artikelserie dazu auf der Homepage. Der März steht ganz im Lichte der Privatisierung, unter anderem hat Gesine Agena, Praktikantin in der Bundesgeschäftsstelle, eine Rezension zum Film “Bahn unterm Hammer” von Herdolor Lorenz und Leslie Franke geschrieben.
Eine These des Films lautet:
“Was sich für die zukünftigen Investoren der Bahn lohnt, sind nicht niedrige Preise, die Menschen dazu bringen, auf das Auto zu verzichten, die Verkehrsanbindung der ländlichen Regionen und kleinen Städte oder eine kostenintensive aber notwendige Wartung der Schienen und Züge. Was sich für Aktionäre lohnt sind hohe Preise, Kosteneinsparungen durch Minimierung der Wartungs- und Reparaturarbeiten und modernste Schnellzüge, die in kurzer Zeit für horrende Summen weite Strecken zwischen Großstädten zurücklegen. Bahnprivatisierung bedeutet langfristig schreckliche Folgen für Verkehrssicherheit und –anbindung, Preise, den Service und für die Umwelt.”
Was sagt ihr dazu? Was ist eure Meinung zur drohenden Bahnprivatisierung? Und wie sollte die Bahn in Zukunft strukturiert sein?
Ich glaube nicht, dass Aktionäre und Investoren ein Interesse an hohen Preisen und einer beschissenen Netzversorgung haben. Die haben in erster Linie ein Interesse an einer Bahn, die auch genutzt wird – das liegt eigentlich auf der Hand.
Sicher gibts auch Strecken, die sich “von Natur aus” nicht lohnen. Die gab es immer und die wirds auch weiterhin geben. Die Frage ist, ob das denn wirklich gegen eine private Bahn spricht.
Was hindert denn die so etwas gebeutelten Gegenden daran, mit der Bahn entsprechende Verträge zu schließen, um ihren Nahverkehr vernünftig zu organisieren? Ähnlich läuft das doch vielerorts mit den Buslinien auch, das lohnt sich auch so gut wie nie von sich aus, trotzdem gibt es viele private Unternehmen, die den Nahverkehr organisieren. Das läuft weder schlechter noch teurer als bei rein staatlichen Unternehmen.
Die Bahn kann dem Auto Konkurrenz machen, aber nur bis zu einem gewissen Maß. Da wo ich herkomme, ist der nächste Bahnhof mit dem Rad mindestens ne halbe Stunde weg. Da verzichtet keiner freiwillig auf ein eigenes Auto und selbst wenn ich die Fahrt zu meiner Uni über die Verkehrsmittel Auto (bis zur Bahn), Bahn und dann für die restliche Strecke Bus nehme, dann bin ich immer noch locker eine Stunde länger pro Tag unterwegs, als wenn ich direkt mit dem Auto fahre – das relativiert jedes Umweltdenken sofort.
Das eine Verkehrsmittel zu verteufeln und das andere auch um den Preis einer dauerhaften Verstaatlichung hochzujubeln, bringt in solchen Fällen leider gar nichts. Man kann einfach nicht alles mit der Bahn so erschließen, dass man es wirklich jedem Recht machen würde und ich halte das weder für ein staatliches, noch für ein privates und im Zweifel durch Steuern zweckgebunden subventioniertes Unternehmen für sinnvoll.
Die unterschwellige Botschaft bei allem, was von Grünen an Verkehrspolitik zu hören ist, geht leider immer gleich in Richtung Auto abschaffen. Das mag in Ballungszentren sicher längst machbar sein aber auf dem “platten Land” gelten andere Verhältnisse und es stünde den Grünen und ihrer Jugendorganisation gut zu Gesicht, das einfach mal anzuerkennen.
Bei den derzeitigen Spritpreisen fährt nämlich auch von da keiner mehr wirklich gerne Auto, nur ist es schlicht nicht bezahlbar, ein stadtähnliches ÖPNV-System zu installieren (auch wenn ich im Rahmen meines kommunalpolitischen Engagements bei jeder Gelegenheit für einen Ausbau zumindest in meiner Gegend eintrete, ist ja nicht so dass ich die Zielrichtung völlig falsch fände).
Was ich an dem zitierten überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist diese scheinbare Angst vor “modernsten Schnellzügen, die in kurzer Zeit für horrende Summen weite Strecken zwischen Großstädten zurücklegen”.
Zunächst mal dürfte das mit den “horrenden Summen” so eine Sache sein. Die Bahn ist immer noch auf ihre Fahrgäste angewiesen und horrende Preise dürften nicht zu einem erhöhten Fahrgastaufkommen führen. Ich denke man darf durchaus einem Unternehmen, selbst wenn es “nur” eines wie die Bahn ist (mit dem bekannten Image, das nichtmal unberechtigt ist, wie ich gerade am vergangenen Wochenende bei meiner letzten Fernreise wieder erleben durfte), zutrauen, dass es seine Preise so im Griff behält, dass die Kundschaft nicht flöten geht.
Gerade auf Fernstrecken konkurriert die Bahn längst direkt mit einem wahnsinnig schnellem und topmodernen Verkehrsmittel, nämlich dem Flugzeug. Nun ist zwar ein Platz im ICE zweifellos bequemer, als das bisschen Platz, dass man beispielsweise in einem Germanwings-Flieger bekommt.
Aber ehrlichgesagt: Solange ich auf meinem engen Platz im Flieger bloß ne gute Stunde sitzen muss, während der ICE Stuttgart-Hamburg (das wäre die Strecke, die ich etwa 2-3 Mal im Monat fahren muss) mindestens gute 5 Stunden braucht, kann ich mit dem Gequetsche ganz gut leben – zumal mich der Flieger bei günstiger Buchung trotz vorhandener Bahncard(!) gerade mal ein Drittel(!!) des Bahnpreises kostet (ja ich weiß, das liegt auch an der fehlenden Kerosinbesteuerung aber umgekehrt waren es doch maßgeblich Grüne, die Energie insgesamt und damit auch die fürs Bahnfahren nötige so wahnsinnig verteuert haben, ein bisschen hausgemacht ist das Problem also schon).
So wirklich erschließen sich mir die hier geäußerten Vorbehalte gegen eine private Bahn nicht. Mir scheint eher, dass große Teile der Grünen schlicht eine panische Angst vor privaten Unternehmen haben. Das ist, so schade ich es finde, zwar legitim – aber dann kann man das auch ruhig offen sagen. Das eine private Bahn aber auf jeden Fall für Fahrgäste, deren Portemonaies und Sicherheit und für die Umwelt schlecht sein müsste, dass ist einfach nicht wahr.
Natürlich gibts bestimmte Bedingungen, damit eine private Bahn auch alle grünen Ansprüche erfüllen kann. Zum Beispiel sollte das Netz selbst nicht unbedingt auch in der gleichen AG aufgehen, wie die Bahn. Dann wäre das Monopol zementiert und der Wettbewerb, der auch innerhalb des Verkehrsmittels Bahn für günstigere Preise und bessere Qualität sorgen könnte, fände gar nicht erst statt.
Ich denke, auch die fundamentalistischsten Grünen werden mit mir der Meinung sein, dass Wettbewerb auf der Schiene im Endeffekt sowohl Fahrgästen als auch der Umwelt zugute kommen kann, weil mehr Qualität und günstige Preise ja nunmal mehr Fahrgäste als unausweichliche Folgeerscheinung nach sich ziehen;)
Hi!
Es stellt sich nur für mich die Frage warum es denn besser sein soll zu privatisieren? Warum kann der Staat denn nicht genauso gut diese Aufgabe wahrnehmen und für einen sozial- und ökologisch verträglichen Nah- und Fernverkehr sorgen?
Es wird immer gesagt, dass private Unternehmen es günstiger könnten. Diese sparen aber oft bei den Personalkosten. Das finde ich schwierig.
Außerdem hat die Politik bei einem Staatsunternehmen auch viel besser die Möglichkeit einfluss zu nehmen. Politik trägt dann auch die Verantwortung für Fehlverhalten etc.
Die Vorteile für die NutzerInnen bei einer Bahnprivatisierung sind mir nicht klar.
Also dass der Staat nicht genauso gut wirtschaften kann, wie in Wettbewerb stehende Unternehmen, dass steht eigentlich außer Frage (seit die Telekom keine Behörde mehr ist hat sich zum Beispiel einiges verbessert).
Ein “sozialverträglicher Nahverkehr” ist vermutlich einer, der mit Steuergeld bezahlt wird. Den gibts beinahe überall und es spielt, wie gesagt, keine Rolle, ob der Staat Eigentümer des Betreibers ist oder nicht. Da spricht also nichts gegen private Unternehmen. Dafür spricht, dass man sich bei groben Fehlern und schlechtem Management neue Vertragspartner suchen kann. Geschehen im eigenen Laden Missstände, wird im Zweifel erstmal vertuscht und dann gemauschelt – effizienter wird so etwas dann jedenfalls erfahrungsgemäß nicht gehandhabt.
Was den Fernverkehr angeht, da könnte man ebenso zuschießen – die Frage ist, ob das nötig ist. Innerhalb Deutschlands fliegt man inzwischen teilweise für 20-30 Euro und auch die Bahn bietet ähnliche Preise an. Muss das unbedingt noch billiger werden? Ich halte diese Preise durchaus für vertretbar, staatliche Intervention ist da nicht nötig.
Also: Die Ökologische Komponente. Ich würde sagen, zur Wahl stehen eine mit “Ökostrom” betriebene Staatsbahn oder eben Umweltauflagen für freie Bahnbetreiber. Ich behaupte mal, dass beides unter dem Strich ähnlich effizient, ähnlich teuer und damit ähnlich gut oder schlecht ist. Das staatliche Kontrolle und die Funktion des Staates als letzte Instanz auch in diesem Fall meiner Meinung nach dann schärfere Schwerter sind, wenn der Staat sich nicht selbst kontrolliert, spricht für mich auch hier eher für private Anbieter.
Ich widerspreche dir also ganz grundsätzlich. Was von Politik und der Verantwortung, die sie übernimmt, zu halten ist, dass kann man derzeit beim verantwortungsvollen Umgang der Bundesregierung mit der Verfassung bestaunen oder, um bei Firmenbeteiligungen zu bleiben, bei der Steuergeldverschwendung für eigentlich bankrotte Staatsbanken.
Was das sparen an Personalkosten angeht: Um einen Zug zu bewegen sind Menschen nötig. Wenn man das mit weniger Menschen hinbekommt, kann ich darin keinen Nachteil erkennen (für die Nutzer jedenfalls, um die es uns ja geht). Dass das nicht zulasten der Sicherheit geht, setzt das selbe Vertrauen voraus, dass wir ganz selbstverständlich privaten Fluggesellschaften, Busunternehmen und Reedereien entgegenbringen. Wozu bei der Bahn andere Maßstäbe anlegen?