Ein paar Überlegungen zu unserem gemeinsamen Engagement, Wahlen und Ämterhäufung

Die Grüne Jugend lebt von dem Engagement und dem Wissen ihrer AktivistInnen. Teilweise sind wir uns unseres Potentials jedoch gar nicht wirklich bewusst und wir verpassen ungenutzte Chancen unseres gemeinsamen politischen Wissens. Daher möchte ich hier ein paar Überlegungen darüber aufzeigen, wie unser Wissen für gemeinsames Engagement besser genutzt werden könnte. Dabei sind wir als Verband von den Strukturen abhängig, die wir uns selbst geben und insbesondere auch von der (Aus-)Wahl der Personen in verschiedenen Ämtern.

Über Ersteres (Strukturen) will ich hier jetzt nicht groß schreiben. Viel mehr möchte ich in diesem Beitrag darauf hinweisen, wie wichtig es ist, dass AmtsträgerInnen ihr Wissen in der Grünen Jugend möglichst einfach und frei zur Verfügung stellen – gerade das Wissen, dass sie durch ihr Amt erlangen.

In der Praxis bedeutet dieser freie und einfache Wissenszugang zunächst einmal bei Anfragen möglichst zeitnah und bezogen auf das Anliegen Antwort zu geben – soweit funktioniert es meist noch gut. Da wir uns jedoch als Jugendverband auch zum Ziel setzen, weitere junge Leute für politisches Engagement zu motivieren und neue Ideen mit alten AktivistInnen zu entwickeln suchen, ist es mindestens ebenso von Bedeutung das Wissen aktiv zur Verfügung zu stellen.

Dies passiert z.B. über Berichte und Protokolle von Treffen, die über Emaillisten geschickt oder im intern-Bereich online gestellt werden. Wenn man sich allerdings die heutige Praxis des Berichtschreibens betrachtet, ist es erschreckend, wie wenige Berichte z.B. alleine von den letzten Sitzungen der Bundesarbeitsgemeinschaften (BAGn) bei den Grünen geschrieben wurden (die Berichte sollten eigentlich alle im intern-Bereich abrufbar sein).
Zudem ist neben den trockenen/symbolischen Berichten noch viel wichtiger, das Wissen aktiv in die Debatten der Grünen Jugend weiterzutragen, bzw. selbst breite Initiativen mit dem Wissen anzustoßen. Um dies zu verbessern brauchen wir meiner Meinung nach eine verbesserte und offenere Teamarbeit in unserem Verband:

=> Offene Emaillisten, insbesondere die der Fachforen/Arbeitskreise, sollten ernster genommen werden. Hierbei sollten alle gewählten Leute sich mehr beteiligen, um den inhaltlichen Austausch zu suchen und ihr Wissen aktiv einzubringen (für Anträge und gemeinsame Initiativen). Die Trennung der fachpolitischen Arbeit zwischen Vorständen und den Arbeitskreisen ist eigentlich super schade, weil automatisch Energie für gemeinsames Engagement verloren geht.

=> Berichte von den Treffen schreiben, bei denen Grüne Jugend Delegierte sind und diese allen Interessierten und potentiell Interessierten zugänglich machen.

=> Da ich auch Erfahrungen in anderen Jugendverbänden gemacht habe, finde ich die Wahlen bei der Grünen Jugend oft erschreckend. Klar kommt es häufiger mal vor, dass es gar keine Auswahl von KandidatInnen gibt; aber wenn, dann sollten KandidatInnen viel mehr geprüft werden und der Faktor der Teamfähigkeit einer Person sollte eine größere Rolle spielen.

=> Ämterhäufung ist kritisch zu betrachten. Auch jedeR selbst muss sich fragen, ob sie/er richtige Zeitplanung betreibt. So kommt es öfters vor, dass AmtsträgerInnen weitere Posten in Kommissionen, Arbeitsgruppen und dergleichen übernehmen, ohne sich über den Arbeitsaufwand im Klaren zu sein und ihn mit ihren weiteren Funktionen vereinbaren zu können. Es ist uns wenig geholfen, wenn Leute Ämter nur übernehmen, damit sie besetzt sind: Besser sollte ein Amt richtig erfüllt werden, als drei/vier Ämter nur so nebenbei (das ist oft demotivierend – gerade für andere – und teils von schlechter Qualität). Wenn sich keine KandidatInnen finden lassen müssen Ämter eben unbesetzt bleiben – das verdeckt wenigstens nicht unser überschätztes eigenes Potential.

Mir ist klar, dass man mit dieser Art und Weise nicht jedes einzelne Grüne Jugend Mitglied erreichen wird – muss es auch nicht! Doch eine gesteigerte Offenheit würde sowohl ein paar neue Leute motivieren sich zu engagieren als auch den Austausch unter den bereits aktiven Personen erhöhen und einen größeren Erfolg für den ganzen Verband bringen (unter uns ÖkonomInnen sozusagen das Ricardo-Theorem des junggrünen Wissens: Freihandel in der Grünen Jugend!). Manche mögen’s vielleicht nicht glauben, aber als Team wären wir in der Grünen Jugend sogar noch um einiges besser, als wir es jetzt mit unserer heutigen (etwas überspitzt formulierten) EinzelkämpferInnen-Methode sind.

1 Kommentar zu „Die Offenheit (politischen) Wissens in der Grünen Jugend“

  • Max:

    Hallo Michael,

    sehe deine Kritik ähnlich, will aber noch etwas hinzufügen:

    Generell finde ich, dass es ungeheuer schwer ist für Jugendliche sich in politische Jugendverbände inzugliedern, weil die politischen Angebote oftmals nicht niedrigschwellig genug sind. GOs. Satzungen, Wahlen, Abstimmungen etc. sind natürlich für einen Verband notwendig, aber ich finde wir müssten neben den Bundeskongressen ein weiteres offenes Forum anbieten zu dem Jugendliche kommen können, um einmal ungezwungen über politische Themen zu reden, fernab jedes politisches Strukturalismus.

    Max